Mittwoch 03.04.2019

Mittwoch 03.04.2019

Der Tag beginnt wie immer mit Andacht, Besprechung und Frühstücken. Guido verschwindet im OP und danach in der Sprechstunde. 
Tobi und Dan haben einen Einsatz in einem anderen Krankenhau( Izymbia Hospital )



Dieses ist kleiner als Ndolage, kämpft aber mit den gleichen Problemen. Die Lage des Krankenhauses ist, wie Ndolage, sehr schön. Nachteilig empfinden die Beiden, dass die Gebäude der Klinik weiter auseinander liegen und die dazwischen liegenden Wege nur geschottert waren.  




Tobi, die Sekretärin, dr. Dawson und Dan
In Izymbia Hospital

Nach Feierabend kommt Nico zu Besuch um ein behindertes Kind vorzustellen, das über ein Hilfsprogramm zuhause beschult wird. 

Irgendwie haben wir heute alle einen Durchhänger. Die Unorganisiertheit und das damit verbundene Warten zerrt an den Nerven. Da tut es gut, sich mit Nico auszutauschen, der das kennt und nachempfinden kann. 

Was weiter hilft: Dan‘s Box wird voll aufgedreht, Golden Earring‘s „Radar Love“, die Hütte bebt. Unsere Küchenhilfen sind begeistert, tanzen mit und genießen das in vollen Zügen. Das „Lufttrommel“ Duett von Guido und Dainese ist einfach sehenswert. Der "rumänische Tanzbär" zeigt  Dainese, wie  man Salsa tanzt, wir haben sehr viel Spaß. 






Crazy alles, aber danach geht es uns wieder richtig gut.


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Dienstag 02.04.2019

Dienstag 02.04.2019

Unsere "Sprechstunden" sind wieder brechend voll, sowohl beim Daktari als auch in der Physio. Tobias schraubt an Rollatoren und Rollstühlen rum.


Ich (Susanne) fahre wieder mit zu einem Hausbesuch bei einem Palliativ Patienten (auf dem PikiPiki natürlich). William Hubert, 78 Jahre, Prostata CA mit Metastasen in der Wirbelsäule. Seine Lebensumstände sind etwas besser als bei dem Patienten gestern, da er Gemeindeangestellter gewesen ist. Er lebt in einem Steinhaus (Jesus, Rambo und VanDamme nebeneinander an der Wand... auch das ist recht typisch hier), wird von seiner Frau und seinen beiden Söhnen und Schwiegertochter versorgt. Es gibt sogar ein Rollstuhl. 

Bevor wir losfahren, holt Melchior noch die Medikamente für William aus der Krankenhausapotheke: Schmerzmittel und Morphin (abgefüllt in einer Plastikflasche). 

Auch diese Familie freut sich sehr über unseren Besuch, der kleine Enkel hat allerdings erst Angst vor mir, da er noch nie einen weißen Menschen gesehen hat... das begegnet uns hier oft. Melchior stellt aber den Kontakt her und dann ist alles gut. Der kleine freut sich total über den Tennisball und Luftballon. William Hubert wird untersucht, die kontrakten Kniee werden bewegt und er bekommt seine Medikamente. Ich kann ein paar Tipps geben zum Thema trockene Lippen, zur Kontraktur- und zur Dekubitusprophylaxe "Bananenblattlagerung". Genau wie bei einigen unserer Palliativ Patienten ist der Patient dünn und friert. Er liegt unter drei Decken. Da diese Patienten Wärmflaschen lieben, schlage ich mit warmem Wasser gefüllte Plastikflaschen.  Das finden alle eine gute Idee.

Mit dem Niels-Stensen Herz in der Hand beginnt William sofort genau das richtige: Pumpen. Er zählt dabei in Kisuaheli und in Englisch...das ist dann gleich Atemtherapie. Melchior bespricht noch mit den Angehörigen das weitere Vorgehen. Am Ende beten wir -wie gestern bei Amir Ibrahim- das Vaterunser, einmal in Kisuaheli und ich spreche es danach in Deutsch.


Wieder in Ndolage angekommen, geht es gleich weiter zur Krankenpflegeschule. Wir sprechen mit Festo, dem Leiter der Schule, über Ausbildung hier und das Thema Physiotherapie in der Pflege bei uns. Danach geben wir eine Unterrichtseinheit für die Second Year Students.  Wir machen unsere Sache offenbar sehr gut: keine schläft ein, oft wird gestaunt und gelacht (kein Wunder, denn wir führen einiges auf dem Lehrerpult vor, zum Beispiel Patientenmobilisation) und es kommen sogar Fragen. 

Ich habe ein langes, sehr informatives Gespräch mit Melchior und Amelia -das Palliativ Team- über die Organisation und die Patienten, die ich gesehen habe. 

Spät nachmittags kommt höher Besuch: Der Bischof der North Western Diözese. Eine sehr große Wertschätzung für unser Team und unsere Arbeit hier. 


Er spricht gut Deutsch, da er mehrere Jahre in Bielefeld-Bethel Studiert hat und wir haben das Gefühl, dass seine Worte sehr ehrlich gemeint sind. 

Es gibt eine gemeinsame Besprechung zu erst in Dr. Lilians Büro, dann mit etwas Bewirtung bei uns im Haus...gut dass wir aufgeräumt hatten.


Nachdem der Bischof uns verlassen hat, hat Dan dem "Gesundheitsminister" ein paar Übungen für seinen Rücken gezeigt. Dann konnte er mit Tobi und einem Fahrer endlich Bier holen, das hatten wir uns heute ehrlich verdient. 

Abends kommen noch Dr. Lolwako und Dr. Lilian vorbei...ein sehr gutes Gespräch in kleiner Runde.
Unter 25 Grad,
Dr. Lolwako trägt eine Daunenjacke 



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Montag 01.04.2019

Montag 01.04.2019

Strom immer noch weg. 
Heute hat Daktari Guido wieder Sprechstunde auf dem Plan... alle Bänke, Mauren und Fußböden sind schon besetzt mit Menschen, die auf den Daktari warten.


Dan macht Sprechstunde in der Physiopraxis, Tobias repariert DEFIS und Vernebler. 

Ich (Susanne) fahre mit Melchior -die eine Hälfte des palliativ Teams hier) mit dem PikiPiki zu einem Patienten... 15 Kilometer über afrikanische Buckelpiste. Ich fühle mich als ob ich durch einen riesigen Botanischen Garten fahre. Bananen, Mangos, Kaffee, Yum, und und und...Melchior erklärt mir vieles unterwegs. Meistens gibt es mindestens drei Anbauschichten: unten Bohnen, dazwischen etwas halbhohes, oben Bananen.  Alles von Hand bearbeitet, d.h. Landmaschinen sieht man hier nicht...und auch keine Giftspritzen...das kann sich hier keiner leisten. Wenn die kleinen Müllplätze nicht wären, eigentlich ein kleines Paradies.


Wir kommen an der Hütte des Patienten an, eine kleine Lehmhütte mitten im Banananenwald. Der Patient sitzt an die Wand gelehnt auf einer Bastmatte, der Boden der Hütte ist mit Gras ausgelegt.  Er freut sich über unseren Besuch.

Ibrahim ist 43 Jahre alt und hat seit einem Jahr eine Paraplegie, kann also nicht mehr laufen. Er hat Schmerzen in den Beinen und mehrere schlecht aussehende Stellen and den Füßen. Seine Frau hat ihn verlassen nachdem er nicht mehr gehen konnte,  seine 3 Kinder versorgen ihn seitdem. Ins Krankenhaus kann er nicht, da er keine Angehörigen hat, die ihn dort versorgen und natürlich hat er auch kein Geld. Da es keine genaue Diagnose gibt und wenn überhaupt, nur eine OP der Wirbelsäule in Frage käme, die in Ndolage Hospital nicht geleistet werden kann, bleibt er in seine Hütte und wird palliativ versorgt, d.h. es kommt überhaupt irgendjemand vorbei bezüglich seines Gesundsheitstzustandes (ein Transport ins Krankenhaus würde auf einem PikiPiki erfolgen; seine gelähmten Beine würden irgendwie festgebunden. So werden hier fast alle Patienten transportiert u.a. hochschwangere Frauen). Melchior gibt ihm ein Antibiotikum wegen seiner offenen Wunden an den Fersen. Ich mache den Vorschlag seine Beine auf glatten Bananenblätern zu lagern (die gibt es ja überall), zeige dem Sohn Spitzfussprofylaxe (er wird zwar sicher nicht mehr laufen können, aber das tut den Füßen trotzdem gut). Nette Leute! 

Ich bekomme einen ganz kleinen Eindruck vom Palliative Care ... und finde es ganz wichtig, dass es hier so etwas gibt.

Mittags sind wir zurück, und es geht gleich weiter in der "Praxis". Mittags Pause ist erst um 14:30. Es gibt leckere Bananenchips, natürlich auf Bitte von Dan, der einen besonders guten Draht zu unseren Küchenmädels hat. 

Der Strom ist immer noch weg.

Nachmittags "durchsuchen" Tobi und Dan die hier rumstehenden Container (mit Spenden aus europäischen Ländern) nach Brauchbarem. Dabei finden sie zwei Rollatoren  und einen Kinderrollstuhl,  den Tobias und Dan für den kleinen Eddie reparieren wollen. Der Umgang mit dem Inhalt dieser Container ist etwas merkwürdig, z.T. lagern dort sehr gut zu gebrauchende Dinge. Wir verstehen nicht dass sie nicht benutzt werden. 

GUIDOS BERICHT für Montag 01.04.2019

Ein paar Bemerkungen zu der Sprechstunde: 
Der Vorraum des Krankenhauses ist voll mit Menschen, die zum Teil sehr weit angereist sind, dabei sehr Gebrechliche und Kinder, die gestillt werden. Ich habe einen kleinen Raum zusammen mit Dr. Francis, der als Übersetzer fungiert und sich mit den Gepflogenheiten auskennt. Dazu gehört, dass der Arzt den Befund schriftlich fest hält, auf den Anforderungsschein für das Röntgen die Personalien des Patienten einträgt, Rezepte ausfüllt und wiederum die Personalien des Patienten einträgt. Ca 30. % der Behandlungszeit entfällt gefühlt auf das Ausfüllen der Formulare. Die Helferinnen führen derweil ein relativ stressfreies Dasein. 

Heute ist es wieder richtig voll, dazu fangen wir verspätet an. Jetzt geht mein teutonischer Hang zur Effizienzsteigerung mit mir durch: Nach Rücksprache mit Francis bekommen wir einen zweiten Raum, Helferinnen besetzen diese alternierend mit Patienten, füllen die Formulare aus, derweil springen Francis und ich hin und her und behandeln. Es läuft fast so gut wie in der Praxis Reinhardt/Kruse. Wir schaffen  dadurch ca. 10 Pat. Pro Stunde.
90 % der Patienten „haben Rücken“. Das wird langsam zum Problem, denn auch der beste german Daktari kann nicht durch Handauflegen chronische Rückenschmerzen heilen, die durch die Lebensweise hervor gerufen werden. Diese Patienten drainieren aber unsere Energie weg von eigentlich  viel kränkeren Patienten:




55 F, Jahre, seit Jahren schlecht eingestellte Diabetikerin. Wegen eines Fußulcus wurde ihr bereits der rechte Unterschenkel amputiert. Keine Prothesenversorgung, das Knie ist teilkontrakt. Zur Untersuchung wird sie von ihrem Mann getragen, Druckschwielen über den Kniescheiben zeigen, dass sie offensichtlich auch kriecht, um sich fort zubewegen.

Unter dem linken Großzehenballen bildet sich jetzt ein neues Ulcus. Unbehandelt kann man davon ausgehen, dass auch hier in wenigen Wochen eine Entzündung auftreten wird, die ihr das zweite Bein kosten wird. 



Ihr Schuhwerk ist völlig ung eeignet und wird en negativen Verlauf beschleunigen, orthopädische Schuhmacher gibt es nicht.



Da uns glücklicherweise Verbandsschuhe gespendet wurden ( Dank an Doris Knaup) haben wir den Fuß in „ cotton“ ( wird benutzt zum Unterpolstern der Gipse ) gepackt und den Mann in der Versorgung instruiert. So könnte sie eine Chance haben, ihr Bein zu erhalten.





Auch fusschirurgisch interessante Fälle sind dabei: 4 J, f, Doppelanlage der rechten Großzeh, wird morgen korrigiert. 



Der Strom ist wieder da!!! Und das Internet funktioniert auch wieder. 

So langsam fangen wir an, Resümee zu ziehen, es sind ja nur noch drei Arbeitstage hier...unsere Gefühle und Gedanken sind sehr ähnlich.

Spät abends bestaunen wir unter Guidos Anleitung das KREUTZ DES SÜDENS.


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Sonntag 31.03.2019

Sonntag 31.03.2019

Sonntag ist immer ein besonderer Gottesdienst.  Alle ziehen sich besonders gut an, wir auch! Die Afrikaner -auch die Männer- tragen Kleidung aus den typischen bunten Stoffen, einfach toll anzusehen. Der Gottesdienst dauert sehr lange, ist gefüllt mit ganz viel Musik: die Schüler der Secondary School und der Krankenpflegerschule, begleitet von einer Band aus Keyboard und zwei E-Gitarren (eine gespielt von Dr. Lolwako) bringen viel "Soul" in den Gottesdienst. Bei den Liedern, die alle singen, singen wirklich ALLE mit und alles ist erfüllt von diesen schönen Stimmen...bestimmt hilft dieses ganz intensive Singen und Tanzen den Menschen hier beim täglichen -nicht immer einfachen- Leben.













Festo, der Leiter der Krankenplegeschule, stellt uns noch einmal vor, und es gibt mehrere Predikten, zum Teil sehr impulsiv vorgetragen. 

Nach dem Gottesdienst gibt es aus Tradition eine Versteigerung von diversen Dingen vor der Kirche: Früchte wie Papayas, Avocados, Mangos, Zuckerrohr, Bananen natürlich, ein Huhn, aber auch Haargel, Kugelschreiber und eine Bürste. 





Joannick, die Oberschwester, ersteigert ein Zuckerrohr für uns; unser Nachbar, der Pastor, mehrere Avocados ... wir erwerben 6 Limetten und eine Mango.

Zuckerrohr 

Guido visitiert in der Zwischenzeit seinen Patienten Jackson: da ist so weit alles in Ordnung.  

Wir machen Mittagspause und Zenit-Fotos.





Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Fuß des Wasserfalls (und natürlich auch zurück). Edward Ernest, ein einheimischer junger Mann, führt uns und erklärt viele Dinge auf dem Weg. 























Es ist ein schweißtreibender, steiler Abstieg und ein anstrengender Weg wieder zurück.  Aber es lohnt sich total und wir sind sehr glücklich, diese Tour gemacht zu haben.  

Strom ist schon den ganze Tag weg, das Internet ist auch sehr schlecht deshalb muss das Hochgeladen des Blogs warten. 

Abends sind wir bei Dr. Lolwako eingeladen, zusammen mit einigen anderen Leuten aus Kirche und Krankenhaus. Es gibt sehr leckeres Essen und sehr schöne Gastgeschenke für unser Team. Außerdem einen extra für uns gebackenen und dekorierten (Karibu) Kuchen.






Der Rückweg dauert nur 5 Minuten und ist bei dem tollen Sternenhimmel ein schöner Abschluss dieses Sonntags.


Der Strom ist immer noch weg; gut dass wir so viele Kerzen mithaben.


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Anfang November sind unsere Kollegen nach Ndolage geflogen. Um deren Aufenthalt vor ort zu folgen klicken sie bitte auf den link Hier.